Online Medien bitte hinten anstellen

Oh nein! Schon wieder ein Klagelied über das schwere Leben eines Bloggers… Na ja, beinahe. Tatsächlich geht es um mehr als um die Trennung von Online und Print.

Dieses Jahr besuchte ich das Summer Breeze Openair. Für die Uneingeweihten: Dabei handelt es sich um ein Metal-Openair in Dinkelsbühl, Deutschland mit ungefähr 40’000 Besuchern. Eine respektable Grösse also und für ein Musikmedium wie Negative White nicht so einfach zu ignorieren.
Die Akkreditierungsanfrage war schnell deponiert, natürlich mit einer handgeschriebenen Vorschau wie es sich für uns gehört. Dazu hatte ich im Frühjahr bereits ein Video-Preview veröffentlicht und der letztjährige Bericht samt Fotos war auch nicht von schlechten Eltern. Wir bekamen die Zusage – allerdings nur Pay-VIP-Status.

Pay-VIP, was ist denn das? Nun, dabei handelt es sich um einen VIP-Pass, mit welchem man Zutritt in eine spezielle VIP-Area mit Restaurant, Relax-Zone, Bar, Medienzelt und sauberen Toiletten kommt. Letzteres ist auf einem Festival stets Gold wert! Dazu hatte man die Möglichkeit, sein Auto auf dem VIP-Parkplatz abzustellen und sein Zelt im VIP-Camping aufzubauen. Alles enorm VIP, nicht? Allerdings bedeutet das Prädikat «Pay» schlicht, dass man den normalen Festivalpreis bezahlt.
Ich weiss, ich weiss, 92 Euro sind nicht gerade die Welt. Andererseits leisten gerade die Fotografen eine enorme Arbeit. Wieso also sollten sie den Eintritt bezahlen und mit den Fotos im Nachhinein auch gleich noch Werbung für die Veranstaltung machen? Diverse andere Festivals kriegen für Medien einen kostenlosen Eintritt locker gebacken.

Die Tragik, die dem innewohnt, ist aber eine andere. Es gab nämlich durchaus Medien, die einen Gratis-VIP-Pass erhielten. Dabei handelte es sich jedoch nur um grosse Medien wie etwa das Metal Hammer oder Rock Hard. Gerade jene Magazine, hinter denen ein Verlag mit finanziellen Möglichkeiten steckt. Schön und gut, der Kuhhandel mit Werbefläche funktioniert eben doch. Dass aber Headliner-Fotopässe nur an solche Medien verteilt werden, ist schon fragwürdig. Wenn man bei einem dieser auflagenstarken Magazine arbeitet, heisst das also, dass man automatisch ein besserer Fotograf ist, der die packenderen Bilder festhält. Ein zweifelhaftes Argument.

Gerade bei Kulturveranstaltungen sind die Medien gerne mal Spielball für die Organisatoren oder überheblichen Managements der Bands. Solange man nicht ein einflussreicher Medienpartner oder gar ein Medien-Promo-Mischmasch wie etwa der EMP-Shop ist, ist man der Willkür schlichtweg ausgeliefert. Dabei muss man noch nicht einmal kritisch berichtet haben.

Das Traurige an der ganzen Situation ist, dass letztlich die Leserschaft darunter leidet. Die Leute erwarten einen vollständigen Bericht inklusive Headliner. Und gerade Konzertfotos oder Impressionen vom Festivalgelände ziehen Neugierige an.

Janosch Tröhler

Author Janosch Tröhler

Twitter: @janoschtroehler

More posts by Janosch Tröhler

Join the discussion 2 Comments